Bild
62. Oldenburger Landesturnier
20. bis 25. Juli 2010

Turniersport

Liebe Gäste, liebe Zuschauer, wir möchten Ihnen mit dieser kleinen "Gebrauchsanleitung" das Geschehen auf dem Turnierplatz noch transparenter machen.

Das Turnierwesen in Deutschland wird von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, FN (von "Fédération Equestre Nationale") mit Sitz in Warendorf beaufsichtigt und gesteuert. Das Regelwerk nach dem Turniere ablaufen und dem sich alle Teilnehmer unterordnen ist die "Leistungspüfungsordnung", kurz LPO.

Der Turniersport ist in verschiedene Disziplinen unterteilt, die in Ihren Anforderungen und in den Bewertungen jeweils andere Schwerpunkte setzen. Wir kennen Spring- und Springpferdeprüfungen, Dressur- und Dressurpferdeprüfungen, Vielseitigkeitsprüfungen, Fahrprüfungen und Voltigieren. Auf dem Oldenburger Landesturnier sind alle erwähnten Prüfungen ausgeschrieben. Die Prüfungen werden, je nach Anforderung, in verschiedene Klassen eingeteilt, wobei E die Eingangsstufe darstellt, A- Anfänger, Klasse L- leicht, Klasse M- mittelschwer und Klasse S- schwer bedeutet. In diesem Jahr gibt es auf dem Oldenburger Landesturnier insgesamt 20 Prüfungen der Klasse S.

Bedeutung der Wertnoten nach § 57 LPO:

  • 10 - ausgezeichnet
  • 9 - sehr gut
  • 8 - gut
  • 7 - ziemlich gut
  • 6 - befriedigend
  • 5 - genügend
  • 4 - mangelhaft
  • 3 - ziemlich schlecht
  • 2 - schlecht
  • 1 - sehr schlecht
  • 0 - nicht ausgeführt

Nach jeder Prüfung erfolgt eine Siegerehrung oder auch Platzierung. Wenigstens ein Viertel der Teilnehmer ist zu platzieren. Die Pferde werden mit Schleifen in verschiedenen Farben ausgezeichnet:
Der 1. Platz Gold, 2. Platz Silber, 3. Platz Weiß, 4. Platz Blau, 5. Platz Rot, 6. Platz und weitere Grün. Außerdem gibt es Geldpreise für die Reiter und Prämien für die Züchter der erfolgreichen Pferde. Die Reiter erhalten zusätzlich von Sponsoren gestiftete Ehrenpreise.

Springprüfungen

Springprüfungen werden nach dem beobachtenden Richtverfahren gerichtet, maßgebend sind hier Kriterien wie Hindernisfehler und Zeit. Bei einigen Finalprüfungen gibt es zusätzlich noch ein Stechen der fehlerfreien Reiter.

Die Fehlerpunkte beim Springen:

  • Hindernisfehler: 4 Strafpunkte
  • Erster Ungehorsam: 3 Strafpunkte
  • Zweiter Ungehorsam: 6 Strafpunkte
  • Dritter Ungehorsam: Ausschluss
  • Sturz des Reiters und/oder Pferdes: 8 Strafpunkte
  • Zweiter Sturz: Ausschluss
  • Überschreiten der erlaubten Zeit: 0,25 Strafpunkt je Sekunde, im Stechen: 1 Strafpunkt
  • Überschreiten der Höchstzeit: Ausschluss

Es gewinnt der Reiter mit den wenigsten Fehlerpunkten. Bei Fehlergleichheit der mit der schnelleren Zeit.

Springpferdeprüfung

Hier liegt der eindeutige Schwerpunkt auf dem Wort "Springpferd". Das Pferd soll sich sportlich, athletisch schon beim Betreten des Prüfungsplatzes zeigen. Es soll Kraft und Geschmeidigkeit zeigen. Dabei geht es unter seinem Reiter, der im Springsitz reitet, willig und ohne Furcht oder Aufregung zwischen den Hindernissen hindurch bis zum Start. Der Galopp als die wichtigste Grundgangart des Springpferdes wird dann für die Bewertung der erste Schwerpunkt. Das Pferd soll bei jedem Galoppsprung kraftvoll vom Boden abspringen und mit den Hinterbeinen weit nach vorn greifen, um mit den Vorderbeinen dann eine Vorwärts-Aufwärts-Bewegung zu vollziehen. Dieser "Bergauf-Galopp" soll im Tempo frisch, aber nicht eilig sein und rhythmisch bleiben. Die Hindernisse sollen so harmonisch und im Fluss überwunden werden. Damit kommt der zweite wichtige Schwerpunkt in die Bewertung: Die Geschwindigkeit und die Beintechnik im Sprung und besonders in der Landung. Wenn das alles ohne Störungen und Stockungen vor sich geht, dann ist auch der Reiter mit seinem besonderen Geschick daran beteiligt und das Ergebnis muss "gut" oder "sehr gut" werden.

Dressurprüfungen

Hier liegt der eindeutige Schwerpunkt auf dem Wort "Dressur". Die überlieferte Reitkultur versteht hierunter nicht das willenlose, abgerichtete Tier, das "dressiert" wurde, sondern ein sorgfältig ausgebildetes Pferd, das durch langjährige, systematische Ausbildungsarbeit in einen Zustand versetzt wurde, der dem Reiter ermöglicht, alle natürlichen Schritte, Tritte und Sprünge, die das Pferd auch in der Natur allein gelegentlich ausführt, abrufen zu können. In Dressurprüfungen finden wir das Spiegelbild vom Können des Reiters und der vertrauensvollen Ausbildungsarbeit seines Pferdes. Die über Jahrhunderte von Fachleuten entwickelten Lektionen, die auszuführen sind, werden in verschiedenen Klassen immer dem Schwierigkeitsgrad der Klasse angepasst. So ist das Dressurreiten als Sport messbar und für Freunde des kultivierten Umgangs mit Pferden ein erhebendes Erlebnis.

Dressurpferdeprüfungen

Eindeutiger Schwerpunkt: "Dressurpferd". Dressurreiten als Leistungsport geht über die eigentliche Bedeutung des Dressurreitens, als die Grundlage allen Reitens, hinaus. Im Dressursport werden Pferde benötigt, die aus der besonderen Ausprägung ihrer Grundgangarten geschmeidige, mühelose Bewegungsabläufe zeigen. Deshalb werden hier zunächst die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beurteilt. Gleichzeitig wird geprüft, ob das Pferd unter Einhaltung seiner Natürlichkeit die Bewegungsabläufe kraftvoll, raumgreifend und geschmeidig darstellt. Der Bezug zum richtigen Ausbildungsweg wird dabei durch das Absolvieren einer festgelegten Aufgabe hergestellt, die der Reiter mit seinem Pferd vorreiten muss. Gelingt beiden die Kriterien der Ausbildungslehre und die absolute Reinheit der Gänge spannungsfrei zu zeigen, muss sich ein gutes Ergebnis einstellen.

Fahrprüfungen

Dieser Sport hat eine lange Tradition. Tausend Jahre bevor die ersten Ritter auftraten, wussten bereits die Assyrer und Ägypter mit Pferden und Wagen umzugehen. Auch die Griechen fuhren mit großer Leidenschaft, weniger um Kriege zu bestreiten, als im rasanten Kampfsport.
Schon damals war der elegante Wagen mit kostbaren Geschirren und gut herausgebrachten Pferden mehr als nur ein Transportmittel. Wer einen schönen Wagen besaß und ihn elegant vorzuführen wusste, hatte großes Ansehen in der damaligen Gesellschaft.
Vor ca. 500 Jahren begann ein neues Zeitalter für das Wagenepos: Die Erfindung der Kutsche. Das Fahren und Reisen über lange Strecken hatte nun eine neue Zukunft. Ausschlaggebend in der Entwicklung von Geschirren und Wagen waren die Engländer.
Ende des 19. Jahrhunderts konzipierte Benno von Achenbach ein Fahrsystem, das auch heute noch Gültigkeit hat. Seine Idee war es, ein Wagenpferd ähnlich wie ein Reitpferd zu gymnastizieren, auf der Basis von Gehlust, Schwung, Gehorsam, Durchlässigkeit und Versammlung.
Gleichzeitig mit dem Turniersport entwickelte sich auch das Fahren als Sport. Sein heutiges Gesicht bekam der Fahrsport erst in den siebziger Jahren, obwohl schon nach dem Krieg bei den wichtigen deutschen Turnieren, wie etwa in Aachen und dem Hamburger Fahrderby, Fahrprüfungen durchgeführt wurden.

Dressur

Ein wichtiges Element bei der Dressur ist die Haltung des Fahrers: er soll aufrecht sitzen, jedoch nicht verkrampft, mit lockeren Schultern und Ellenbogen, die Peitsche in der rechten Hand und jeder Zeit "Herr der Lage" sein.
Auf einem 40 x 100 m großen Viereck wird nur im Schritt und Trab gefahren. Freiheit und Regelmäßigkeit der Gänge, Harmonie und Leichtigkeit der Bewegung, Schwung und korrekte Stellung der Pferde und Genauigkeit der Figuren sind hier die Bewertungskriterien.

Hindernisfahren

Beim sogenannten "Kegelfahren" wird noch einmal die Geschicklichkeit des Fahrers und der Einklang mit seinen Pferden auf die Probe gestellt. Der Parcours kann bis zu 20 Hindernisse enthalten. Jeder abgefallene Ball kostet 5 Strafpunkte. Die Entfernung der Kegel zueinander entspricht der Spurbreite plus 20 bis 50 cm. Hier dürfen alle drei Grundgangarten gefahren werden und eine beherzte Fahrt hat schon manchem Fahrer den Sieg gebracht.

Gelände- und Streckenfahren

Auf ca. 11 km langer Strecke durch Wald und Flur zeigen die Pferde und ihre Fahrer die ganze Palette ihres Könnens: Leistungsfähigkeit und Ausdauer, Gefühl für Geschwindigkeit und Geschick beim Überwinden der sechs Hindernisse. Der eleganten Kleidung ist hier eine robuste und zweckmäßige Ausstattung vorzuziehen. Nur ein gut eingespieltes Team wird hier erfolgreich sein. Ein "Bockrichter" begleiten Fahrer und Beifahrer auf ihrem Weg, der sich in drei Phasen einteilt: Wegestrecke, Schritt- und Geländehindernisstrecke. Er notiert alle Vorkommnisse, wie z.B. Nichteinhalten der vorgeschriebenen Gangarten (max. 5 Sek. darf die Gangart falsch sein), Überschreiten von vorgeschriebenen Zeiten in den Strecken, Absteigen von Beifahrern und/oder Fahrer, sofern es nicht ein Notfall erforderlich macht.

Voltigieren

Voltigieren ist ein Sport mit einer Jahrtausend alten Tradition. Kunstvolle Übungen am und auf dem Pferd sind schon seit der Antike bekannt.
Doch Voltigieren ist noch mehr: Die Geschicklichkeitsübungen auf und am Pferd sind eine gute Schule für Wahrnehmung, Koordination und Körpergefühl. Darüber hinaus lernen die Voltigierer schon früh, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, denn das Pferd muss vor dem Training gestriegelt, aufgewärmt und nach dem Training wieder versorgt werden. Es ist eben nicht ein Turngerät, sondern ein Lebewesen und Kamerad.
In den meisten Vereinen basiert die Jugendarbeit auf dem Voltigieren und für viele geht es dann weiter in den klassischen Reitsport.
Die Voltigierpferde müssen mindestens 6 Jahre alt sein, und dürfen an einem Turniertag für 1 Gruppe und 2 Einzelvoltigierer oder 6 Einzelvoltigierer eingesetzt werden.
Als Ausrüstung des Pferdes sind erlaubt: eine Trense, ein Voltigiergurt mit 2 Griffen, 2 Ausbindezügel und 2 Seitenschlaufen, eine Gurtunterlage und/oder eine Decke, Bandagen sowie eine Longe und eine Peitsche.
Während des Wettkampfs muss das Pferd auf der linken Hand auf einem Zirkel mit einer Mindestgröße von 17 m Durchmesser galoppieren. Zu Beginn der Prüfung muss das Pferd eine Runde traben, dann erfolgt das Startzeichen für den Galopp durch den Richter.
Der Voltigierer kann am Gruppenwettkampf und am Einzelwettkampf teilnehmen. Am Gruppenwettkampf können Jungen und Mädchen im Alter von 18 Jahren und jünger teilnehmen, im Einzel von 14 Jahren bis oben offen. Eine Wettkampfgruppe besteht aus 8 Voltigierern und einem Ersatzvoltigierer, dem Voltigierpferd und dem Longenführer.
Die Wettkampfaufgabe gliedert sich für die Gruppe in einen Pflicht- und einen Kürteil. Alle Übungen sollen fleißig miteinander verbunden werden und müssen im Galopp ausgeführt werden. Im Trab ausgeführte Übungen werden nicht bewertet.
Bei diesem Wettkampf besteht die Pflicht aus einem Übungsblock und wird in folgender Reihenfolge gezeigt: 1. Aufsprung, 2. C- Fahne, 3. ganze Mühle ( 4er Takt), 4. Stützschwung vorwärts, 5. Wende nach außen.
Jede Pflichtübung wird von jedem Voltigierer geturnt und mit einer Wertnote von 0-10 beurteilt. Auch halbe- und Zehntelnoten sind möglich. Die Richter beurteilen die Pflichtübungen nach den in den Regeln beschriebenen Ausführungskriterien wie Haltung, Spannung, Bewegungsfluss, Balance usw. und können für bestimmte Fehler Abzüge von 1 bis 2 Punkten vornehmen.
Eine Gruppenkür kann aus Einzel-, Doppel- und Dreierübungen bestehen. Übungen mit mehr als drei Voltigierern gleichzeitig auf dem Pferd sind nicht erlaubt. Jeder Voltigierer einer Gruppe muss mit wenigsten einer Übung an der Kür beteiligt sein. Kürzeit beträgt max. 5 Min. Bei der Bewertung der Kür unterscheidet man statische und dynamische Übungen. Statische Übungen müssen mindestens 3 Galoppsprünge ausgehalten werden. Unter dynamischen Übungen versteht man Übungen mit schwungvollen Übungsteilen, wie Auf- und Abgängen, Drehungen, Sprüngen u.Ä.. In der Kür wird je eine Wertnote für den Wert der Schwierigkeit, für die Kürgestaltung und für die Ausführung vergeben.
Der Gesamteindruck der Gruppe und die Beurteilung des Pferdes (longieren und die Vorstellung des Pferdes) werden in einer Note bewertet.
Die Endnote für die Platzierung wird aus der Pflichtnote, der Kürnote, dem Gesamteindruck und der Pferdenote errechnet.

Die Oldenburger Meisterschaft

Wie nahezu alle Bezirksreiterverbände führt auch der Bezirksreiterverband Oldenburg jährlich seine Meisterschaftsprüfungen für Junioren und Senioren in den verschiedensten Disziplinen durch. Diese Meisterschaften finden aus langer Tradition (über 50 Jahre) im herzoglichen Schlosspark zu Rastede statt. Die Sieger der einzelnen Disziplinen dürfen sich "Oldenburger Landesmeister" nennen. Hiermit wird auch die enge Verbundenheit zwischen dem Hause Oldenburg und dem Oldenburger Reiterverband dokumentiert.
Die Meisterschaften werden für Pferde und Ponys in den Disziplinen Vielseitigkeit, Dressur, Springen und seit diesem Jahr in Rastede erstmals im Zweispännerfahren ausgetragen. Eine Mannschaftsdressur rundet den Meisterschaftswettkampf ab.
Bei den Spring- und Dressurmeisterschaften gibt es je zwei Qualifikationsprüfungen, wobei sich die besten Reiter aus den zwei Prüfungen für das Finale qualifizieren.
Für die Teilnahme an den Meisterschaften gilt: Um an den Qualifikationen teilnehmen zu können, müssen Pferd und Reiter gemeinsam gewisse Mindesterfolge auf anderen Turnieren vorweisen können, andernfalls sind sie nicht startberechtigt. Bei den Jugendlichen sind Erfolge in der Klasse L gefordert, bei den Senioren in der Klasse M.

Vielseitigkeit

Die Vielseitigkeitsprüfung unterteilt sich in die drei Teilprüfungen Dressur, Geländeprüfung und Springen. Der Wettkampf erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Tagen.
Bewertungssystem: Jeder Reiter/-in startet mit einem negativen Punktekonto von z. B. 120 Minuspunkten.
In der ersten Teilprüfung der Dressur werden Punkte vergeben, die von diesen -120 abgezogen werden. Die höchstmögliche Punktzahl wäre 120 Punkte, so dass das Punktekonto auf 0 gebracht würde, was in der Praxis jedoch unmöglich ist. Ritte, die nach der Dressur zu -35 bis -45 Punkten führen, können eigentlich als durchaus gelungen angesehen werden und lassen bei entsprechenden Leistungen in den anderen Teilprüfungen alle Optionen auf eine gute Platzierung offen. In den Teilprüfungen "Gelände" und "Springen" kann das Punktekonto nicht mehr verbessert werden. Im günstigsten Fall erreicht man 0 Punkte und verschlechtert die nach der Dressur verbliebene Minuspunktzahl nicht weiter. Im Normalfall werden weitere Minuspunkte für Verweigerungen (-20 Pkt.), Sturz (-60 Pkt.) und Zeitüberschreitungen (-0,4 Pkt. je angefangener Sek.) im Gelände dazukommen, während beim abschließenden Parcoursspringen für Hindernisfehler und Verweigerungen sowie für Zeitüberschreitung weitere Minuspunkte anfallen.
Um einen bestimmten Qualitätsstandard in dieser Meisterschaftsprüfung zu gewährleisten, müssen Pferd und Reiter gewisse Erfolge im Vorfeld des Rasteder Turniers nachweisen. Dieses verhindert eine Überforderung der Pferde und hilft nachhaltig unschöne Bilder, die wir uns alle nicht wünschen, zu vermeiden.

Dressur

Am ersten Tag müssen Pferd und Reiter ihre dressurmäßigen Fähigkeiten unter Beweis stellen. In dieser Prüfung werden keine hohen Anforderungen im Sinne der klassischen Dressur gestellt, sondern es geht in erster Linie darum, dem Richtergremium zu demonstrieren, dass man in der Lage ist, die in der Geländeprüfung zu erwartenden Aufgaben ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Hierfür sind Schwung, Losgelassenheit und Durchlässigkeit (Gehorsam) erheblich wichtiger als z. B. die Versammlungsfähigkeit des Pferdes, wie sie in den höheren Dressuren verlangt wird. Die zu reitende Aufgabe verlangt viel Vorwärtsreiten in allen drei Grundgangarten mit entsprechenden Verstärkungen sowie einige Gehorsamsübungen (Rückwärtsrichten). Die Dressur bietet immer wieder überraschende Aspekte für Reiter, Richter und Zuschauer, da sie die einzige Teilprüfung ist, in der man "Pluspunkte" erreiten kann. Diese vom negativen Punktekonto abgezogen, entscheiden schon oft über Sieg, gute Platzierung oder Mittelmaß.

Geländeprüfung

Sie ist das Kernstück einer jeden Vielseitigkeit und besteht aus einer Wegstrecke von ca. 1.200 m, die im lockeren Trab, ohne das Überwinden von Hindernissen bewältigt werden kann. Sie dient dem Lockern des Pferdes, vergleichbar mit dem Warmlaufen eines Sportlers. Nachdem auf diese Art ein lockeres, erwartungsfrohes Pärchen, bestehend aus Pferd und Reiter, am Start der Querfeldeinstrecke erscheint, werden sie auf die ca. 2.500 m bis 3.000 m lange Strecke geschickt, die mit ca. 20 Hindernissen und Hindernisfolgen (Kombinationen) bestückt ist. Diese Strecke ist im flotten Galopp zu reiten, da sich sonst eine Menge Zeitstrafpunkte ansammeln. In dieser Prüfung sind unterschiedlichste Schwierigkeiten zu bewältigen: Steilsprünge, Oxer, überbaute Gräben, Wälle, Hecken, Zäune bis zu Wasserein- und aussprünge. Diese Hindernisse sind so in das zur Verfügung stehende Gelände integriert, dass die natürlichen Gegebenheiten wie Gräben, kleine Erdwälle, Bäume und Gebüsch bestmöglich ausgenutzt werden.

Verfassungsprüfung

Nach den Anstrengungen des Geländetages findet am folgenden Morgen die Verfassungsprüfung statt, in der die Verfassung, d. h. der Gesundheitszustand, aber auch Konstitution und Pflegezustand des Pferdes, beurteilt wird. Nur wenn das Pferd sich frisch und selbstverständlich lahmfrei präsentiert, wird von der Jury die Startgenehmigung für das abschließende Springen erteilt. Die Jury besteht in diesem Fall aus einem Richter und einem Veterinärmediziner.

Springprüfung

Die abschließende Springprüfung ist als leicht anzusehen. Man möchte ein frisch vorwärts galoppierendes Pferd sehen und die Distanzen und Abmessungen sind entsprechend gehalten. Pferd und Reiter haben hier zu zeigen, dass man, vor allem am Geländetag, nicht über physische Grenzen hinaus gegangen ist und deshalb der Parcours problemlos bewältigt werden kann. Trotzdem passiert an diesem letzten Tag noch so einiges - die Abstände zwischen den einzelnen Paaren betragen oftmals nur 1/10 Punkte und die Nerven liegen blank, da in dieser Teilprüfung der bis dahin am schlechtesten platzierte Reiter zuerst starten muss, während der in Führung liegende als letzter reitet, so dass die Führung ständig wechselt.

Oldenburger Meisterschaft für Dressurmannschaften

Ein noch sehr junger Trieb des Oldenburger Landesturniers ist die Meisterschaft der Dressurmannschaften. In dieser Prüfung muss eine Mannschaftsdressur der Klasse A geritten werden. Eine Dressurmannschaft besteht aus 4 Reitern, die dem gleichen Reitverein angehören müssen. Jeder Kreisreiterverband kann 2 Mannschaften benennen und so kommt es bereits im Vorfeld zum Rasteder Finale innerhalb der Kreisverbände zu interessanten Wettkämpfen, bei denen es um die Startgenehmigung für Rastede geht. Die Wege dorthin sind den Kreisverbänden überlassen, so wählt der eine Kreis den Weg über mehrere Turniere in seinem Gebiet, der andere über nur ein Qualifikationsturnier - viele Wege führen nach Rastede.
Alle teilnehmenden Mannschaften starten in der 1. Prüfung. Die drei besten Mannschaften qualifizieren sich für die Finalprüfung, die auf dem großen Hauptplatz stattfindet und in Form einer Kür ausgetragen wird. Die Kür darf 5 Minuten dauern und wird musikalisch untermalt. Die Benotung erfolgt im getrennten Richtverfahren, d. h. 3 getrennt voneinander sitzende Richter vergeben je Mannschaft 2 Noten. Die erste Note bewertet den Inhalt, die zweite Note die Ausführung.

© Renn- und Reitverein Rastede e.V. (Daniel Block) 2000-2011