
TurniersportLiebe Gäste, liebe Zuschauer, wir möchten Ihnen mit dieser kleinen "Gebrauchsanleitung" das Geschehen auf dem Turnierplatz noch transparenter machen.
Nach jeder Prüfung erfolgt eine Siegerehrung oder auch Platzierung. Wenigstens ein Viertel der Teilnehmer ist zu platzieren. Die Pferde werden mit Schleifen in verschiedenen Farben ausgezeichnet: SpringprüfungenSpringprüfungen werden nach dem beobachtenden Richtverfahren gerichtet, maßgebend sind hier Kriterien wie Hindernisfehler und Zeit. Bei einigen Finalprüfungen gibt es zusätzlich noch ein Stechen der fehlerfreien Reiter.
Es gewinnt der Reiter mit den wenigsten Fehlerpunkten. Bei Fehlergleichheit der mit der schnelleren Zeit. SpringpferdeprüfungHier liegt der eindeutige Schwerpunkt auf dem Wort "Springpferd". Das Pferd soll sich sportlich, athletisch schon beim Betreten des Prüfungsplatzes zeigen. Es soll Kraft und Geschmeidigkeit zeigen. Dabei geht es unter seinem Reiter, der im Springsitz reitet, willig und ohne Furcht oder Aufregung zwischen den Hindernissen hindurch bis zum Start. Der Galopp als die wichtigste Grundgangart des Springpferdes wird dann für die Bewertung der erste Schwerpunkt. Das Pferd soll bei jedem Galoppsprung kraftvoll vom Boden abspringen und mit den Hinterbeinen weit nach vorn greifen, um mit den Vorderbeinen dann eine Vorwärts-Aufwärts-Bewegung zu vollziehen. Dieser "Bergauf-Galopp" soll im Tempo frisch, aber nicht eilig sein und rhythmisch bleiben. Die Hindernisse sollen so harmonisch und im Fluss überwunden werden. Damit kommt der zweite wichtige Schwerpunkt in die Bewertung: Die Geschwindigkeit und die Beintechnik im Sprung und besonders in der Landung. Wenn das alles ohne Störungen und Stockungen vor sich geht, dann ist auch der Reiter mit seinem besonderen Geschick daran beteiligt und das Ergebnis muss "gut" oder "sehr gut" werden. DressurprüfungenHier liegt der eindeutige Schwerpunkt auf dem Wort "Dressur". Die überlieferte Reitkultur versteht hierunter nicht das willenlose, abgerichtete Tier, das "dressiert" wurde, sondern ein sorgfältig ausgebildetes Pferd, das durch langjährige, systematische Ausbildungsarbeit in einen Zustand versetzt wurde, der dem Reiter ermöglicht, alle natürlichen Schritte, Tritte und Sprünge, die das Pferd auch in der Natur allein gelegentlich ausführt, abrufen zu können. In Dressurprüfungen finden wir das Spiegelbild vom Können des Reiters und der vertrauensvollen Ausbildungsarbeit seines Pferdes. Die über Jahrhunderte von Fachleuten entwickelten Lektionen, die auszuführen sind, werden in verschiedenen Klassen immer dem Schwierigkeitsgrad der Klasse angepasst. So ist das Dressurreiten als Sport messbar und für Freunde des kultivierten Umgangs mit Pferden ein erhebendes Erlebnis. DressurpferdeprüfungenEindeutiger Schwerpunkt: "Dressurpferd". Dressurreiten als Leistungsport geht über die eigentliche Bedeutung des Dressurreitens, als die Grundlage allen Reitens, hinaus. Im Dressursport werden Pferde benötigt, die aus der besonderen Ausprägung ihrer Grundgangarten geschmeidige, mühelose Bewegungsabläufe zeigen. Deshalb werden hier zunächst die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beurteilt. Gleichzeitig wird geprüft, ob das Pferd unter Einhaltung seiner Natürlichkeit die Bewegungsabläufe kraftvoll, raumgreifend und geschmeidig darstellt. Der Bezug zum richtigen Ausbildungsweg wird dabei durch das Absolvieren einer festgelegten Aufgabe hergestellt, die der Reiter mit seinem Pferd vorreiten muss. Gelingt beiden die Kriterien der Ausbildungslehre und die absolute Reinheit der Gänge spannungsfrei zu zeigen, muss sich ein gutes Ergebnis einstellen. FahrprüfungenDieser Sport hat eine lange Tradition. Tausend Jahre bevor die ersten Ritter auftraten, wussten bereits die Assyrer und Ägypter mit Pferden und Wagen umzugehen. Auch die Griechen fuhren mit großer Leidenschaft, weniger um Kriege zu bestreiten, als im rasanten Kampfsport. DressurEin wichtiges Element bei der Dressur ist die Haltung des Fahrers: er soll aufrecht sitzen, jedoch nicht verkrampft, mit lockeren Schultern und Ellenbogen, die Peitsche in der rechten Hand und jeder Zeit "Herr der Lage" sein. HindernisfahrenBeim sogenannten "Kegelfahren" wird noch einmal die Geschicklichkeit des Fahrers und der Einklang mit seinen Pferden auf die Probe gestellt. Der Parcours kann bis zu 20 Hindernisse enthalten. Jeder abgefallene Ball kostet 5 Strafpunkte. Die Entfernung der Kegel zueinander entspricht der Spurbreite plus 20 bis 50 cm. Hier dürfen alle drei Grundgangarten gefahren werden und eine beherzte Fahrt hat schon manchem Fahrer den Sieg gebracht. Gelände- und StreckenfahrenAuf ca. 11 km langer Strecke durch Wald und Flur zeigen die Pferde und ihre Fahrer die ganze Palette ihres Könnens: Leistungsfähigkeit und Ausdauer, Gefühl für Geschwindigkeit und Geschick beim Überwinden der sechs Hindernisse. Der eleganten Kleidung ist hier eine robuste und zweckmäßige Ausstattung vorzuziehen. Nur ein gut eingespieltes Team wird hier erfolgreich sein. Ein "Bockrichter" begleiten Fahrer und Beifahrer auf ihrem Weg, der sich in drei Phasen einteilt: Wegestrecke, Schritt- und Geländehindernisstrecke. Er notiert alle Vorkommnisse, wie z.B. Nichteinhalten der vorgeschriebenen Gangarten (max. 5 Sek. darf die Gangart falsch sein), Überschreiten von vorgeschriebenen Zeiten in den Strecken, Absteigen von Beifahrern und/oder Fahrer, sofern es nicht ein Notfall erforderlich macht. VoltigierenVoltigieren ist ein Sport mit einer Jahrtausend alten Tradition. Kunstvolle Übungen am und auf dem Pferd sind schon seit der Antike bekannt. Die Oldenburger MeisterschaftWie nahezu alle Bezirksreiterverbände führt auch der Bezirksreiterverband Oldenburg jährlich seine Meisterschaftsprüfungen für Junioren und Senioren in den verschiedensten Disziplinen durch. Diese Meisterschaften finden aus langer Tradition (über 50 Jahre) im herzoglichen Schlosspark zu Rastede statt. Die Sieger der einzelnen Disziplinen dürfen sich "Oldenburger Landesmeister" nennen. Hiermit wird auch die enge Verbundenheit zwischen dem Hause Oldenburg und dem Oldenburger Reiterverband dokumentiert. VielseitigkeitDie Vielseitigkeitsprüfung unterteilt sich in die drei Teilprüfungen Dressur, Geländeprüfung und Springen. Der Wettkampf erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Tagen. DressurAm ersten Tag müssen Pferd und Reiter ihre dressurmäßigen Fähigkeiten unter Beweis stellen. In dieser Prüfung werden keine hohen Anforderungen im Sinne der klassischen Dressur gestellt, sondern es geht in erster Linie darum, dem Richtergremium zu demonstrieren, dass man in der Lage ist, die in der Geländeprüfung zu erwartenden Aufgaben ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Hierfür sind Schwung, Losgelassenheit und Durchlässigkeit (Gehorsam) erheblich wichtiger als z. B. die Versammlungsfähigkeit des Pferdes, wie sie in den höheren Dressuren verlangt wird. Die zu reitende Aufgabe verlangt viel Vorwärtsreiten in allen drei Grundgangarten mit entsprechenden Verstärkungen sowie einige Gehorsamsübungen (Rückwärtsrichten). Die Dressur bietet immer wieder überraschende Aspekte für Reiter, Richter und Zuschauer, da sie die einzige Teilprüfung ist, in der man "Pluspunkte" erreiten kann. Diese vom negativen Punktekonto abgezogen, entscheiden schon oft über Sieg, gute Platzierung oder Mittelmaß. GeländeprüfungSie ist das Kernstück einer jeden Vielseitigkeit und besteht aus einer Wegstrecke von ca. 1.200 m, die im lockeren Trab, ohne das Überwinden von Hindernissen bewältigt werden kann. Sie dient dem Lockern des Pferdes, vergleichbar mit dem Warmlaufen eines Sportlers. Nachdem auf diese Art ein lockeres, erwartungsfrohes Pärchen, bestehend aus Pferd und Reiter, am Start der Querfeldeinstrecke erscheint, werden sie auf die ca. 2.500 m bis 3.000 m lange Strecke geschickt, die mit ca. 20 Hindernissen und Hindernisfolgen (Kombinationen) bestückt ist. Diese Strecke ist im flotten Galopp zu reiten, da sich sonst eine Menge Zeitstrafpunkte ansammeln. In dieser Prüfung sind unterschiedlichste Schwierigkeiten zu bewältigen: Steilsprünge, Oxer, überbaute Gräben, Wälle, Hecken, Zäune bis zu Wasserein- und aussprünge. Diese Hindernisse sind so in das zur Verfügung stehende Gelände integriert, dass die natürlichen Gegebenheiten wie Gräben, kleine Erdwälle, Bäume und Gebüsch bestmöglich ausgenutzt werden. VerfassungsprüfungNach den Anstrengungen des Geländetages findet am folgenden Morgen die Verfassungsprüfung statt, in der die Verfassung, d. h. der Gesundheitszustand, aber auch Konstitution und Pflegezustand des Pferdes, beurteilt wird. Nur wenn das Pferd sich frisch und selbstverständlich lahmfrei präsentiert, wird von der Jury die Startgenehmigung für das abschließende Springen erteilt. Die Jury besteht in diesem Fall aus einem Richter und einem Veterinärmediziner. SpringprüfungDie abschließende Springprüfung ist als leicht anzusehen. Man möchte ein frisch vorwärts galoppierendes Pferd sehen und die Distanzen und Abmessungen sind entsprechend gehalten. Pferd und Reiter haben hier zu zeigen, dass man, vor allem am Geländetag, nicht über physische Grenzen hinaus gegangen ist und deshalb der Parcours problemlos bewältigt werden kann. Trotzdem passiert an diesem letzten Tag noch so einiges - die Abstände zwischen den einzelnen Paaren betragen oftmals nur 1/10 Punkte und die Nerven liegen blank, da in dieser Teilprüfung der bis dahin am schlechtesten platzierte Reiter zuerst starten muss, während der in Führung liegende als letzter reitet, so dass die Führung ständig wechselt. Oldenburger Meisterschaft für DressurmannschaftenEin noch sehr junger Trieb des Oldenburger Landesturniers ist die Meisterschaft der Dressurmannschaften. In dieser Prüfung muss eine Mannschaftsdressur der Klasse A geritten werden. Eine Dressurmannschaft besteht aus 4 Reitern, die dem gleichen Reitverein angehören müssen. Jeder Kreisreiterverband kann 2 Mannschaften benennen und so kommt es bereits im Vorfeld zum Rasteder Finale innerhalb der Kreisverbände zu interessanten Wettkämpfen, bei denen es um die Startgenehmigung für Rastede geht. Die Wege dorthin sind den Kreisverbänden überlassen, so wählt der eine Kreis den Weg über mehrere Turniere in seinem Gebiet, der andere über nur ein Qualifikationsturnier - viele Wege führen nach Rastede. |